Piazza San Marco
- piazza
- Preis: Free
- Öffnungszeiten: Always open
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Geschichte
Es ist der einzige "Platz" (Piazza) in Venedig — jeder andere offene Platz der Stadt heißt "Campo" (oder "Campiello"). Seine heutige Form geht auf das 12. Jahrhundert zurück, als Doge Sebastiano Ziani den Rio Batario, einen Kanal, der das Gelände damals durchquerte, zuschütten und angrenzende Gärten und Klosterländereien einbeziehen ließ, wodurch sich die Fläche etwa vervierfachte und der Platz seine bis heute erhaltene trapezförmige Gestalt erhielt.
Der von Arkaden gesäumte Gebäudekomplex, der den Platz auf drei Seiten umschließt, entstand über Jahrhunderte hinweg: Die Procuratie Vecchie an der Nordseite wurden ab 1514 errichtet, während die gegenüberliegenden Procuratie Nuove zwischen 1582 und 1640 nach Entwürfen von Jacopo Sansovino und Vincenzo Scamozzi gebaut wurden. Napoleon ließ nach der Annexion Venedigs 1797 die Westseite mit einem neuen Flügel schließen — der sogenannten Ala Napoleonica —, wofür eine Kirche abgerissen wurde, und wird der Überlieferung nach, wenn auch nicht zuverlässig belegt, mit dem Ausspruch zitiert, der Platz sei "der schönste Salon Europas".
Die Cafés der Piazza
Unter den Arkaden der Procuratie Nuove serviert das Caffè Florian seit dem 29. Dezember 1720 Kaffee, als es unter dem Namen "Alla Venezia Trionfante" eröffnete — womit es zu den ältesten noch durchgehend betriebenen Kaffeehäusern der Welt zählt. Es war im 18. Jahrhundert zudem das einzige venezianische Café, das Frauen einließ, was Stammgäste wie Casanova und später Goethe, Byron und Proust anzog.
Sein langjähriger Rivale, das Caffè Quadri, eröffnete in den 1770er-Jahren auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes und wurde bei den österreichischen Offizieren beliebt, die Venedig im 19. Jahrhundert besetzt hielten, während das Florian der Treffpunkt venezianischer Patrioten blieb — eine Rivalität mit echter politischer Brisanz. Beide Cafés lassen an Sommerabenden bis heute kleine Orchester unter ihren Arkaden spielen, eine Tradition, die seit über zwei Jahrhunderten besteht, auch wenn ein Platz an einem der beiden Cafés zusätzlich zum Kaffeepreis einen saftigen Musikzuschlag kostet.
Wussten Sie schon?
Napoleons angeblicher Ausspruch, der Platz sei "der schönste Salon Europas", gehört zu den meistzitierten Sätzen über Venedig — obwohl Historiker ihn in keinem von ihm verfassten oder unterzeichneten Dokument nachweisen konnten; er dürfte eher Legende als belegte Tatsache sein.
Bis 2008 konnten Touristen bei fliegenden Händlern Tütchen mit Mais kaufen, um die Tauben des Platzes zu füttern — über Generationen hinweg ein klassisches Venedig-Fotomotiv. Die Stadt verbot die Praxis danach vollständig, um die Marmorfassaden zu schützen, und die Taubenpopulation auf dem Platz soll seither um etwa die Hälfte zurückgegangen sein.
Gut zu wissen
Piazza San Marco liegt am tiefsten Punkt Venedigs und ist deshalb der erste Ort, der bei Acqua alta überflutet wird, dem saisonalen Hochwasser, das seinen Höhepunkt zwischen Oktober und Dezember erreicht; wird Hochwasser vorhergesagt, verlegt die Stadt erhöhte Holzstege (Passerelle), damit Fußgänger trockenen Fußes queren können.
Am ruhigsten — und fotogensten — ist der Platz früh am Morgen oder nach Einbruch der Dunkelheit, wenn sich die Tagesausflügler verlaufen haben; ein Kaffee bei Florian oder Quadri wird mit einem Zuschlag für das Live-Orchester berechnet, weshalb es sich lohnt, das Kleingedruckte auf der Karte zu prüfen, wenn man nur einen Espresso am Tresen möchte.